Auf den Dienstag freue ich mich immer ganz besonders. Da ist nämlich Mülltag, einmal werden die gelben Säcke abgeholt und einmal die Mülltonne. Die kommen immer schon ganz früh. Michael ist oft am Montag zu faul, sie wegzubringen, dann macht das manchmal Dagmar, aber meist muß Michael am Dienstag den Müll erledigen. Er ist dann immer mürrisch, weil das vor dem Frühstück erledigt wird und vor dem Frühstück ist das sehr schwierig. Er sagt immer zwischen Aufstehen und Frühstück ist eine tote Zeit. Ich weiß nicht, was das bedeuten soll.
Aber das mit dem Müll ist so, dass er die Tonne an die Strasse rollen muß und das sind vom Haus aus über die Zufahrt schon ein paar hundert Meter.
Wenn er dann morgens zu mir sagt: Los Müll - dann kenne ich kein Halten, das ist ein Spaß. Ich belle vor lauter Freude ganz laut, renne zur Tonne und wieder zurück, drehe ein paar Ehrenrunden ums Haus und dann sehe ich, wie Cheffe mit der Tonne im Schlepptau loszieht, könnte man einen Film drehen: Der alte Mann und die Tonne. Erst schleppt er sie über das Pflaster vor der Remise, das macht ordentlich Krach, das gefällt mir, ich belle mit dem Lärm um die Wette. Dann geht es durchs Tor, die Zufahrt hoch. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie ich mich freue, Cheffe muß die schwere Tonne ziehen oder die gelben Säcke schleppen - und das vor dem Frühstück. Das ist ja fast Höchststrafe für ihn.Bevor es dann von der Strasse zurück geht, erledige ich alles, was so zu erledigen ist und renne über die Koppel. Schade, dass jetzt keine Kühe mehr da sind, die sind schon im Stall, aber wenn ich die morgens vor dem Melken noch mal ein wenig scheuche, freut sich der Bauer, die brauchen doch Bewegung. Michael schüttelt immer nur den Kopf und fragt mich, “wer hat Dich eigentlich gekauft?”
Zurück im Haus zeige ich ihm natürlich, wo die Leckerchen stehen, denn schließlich habe ich doch mein Frühstück verdient, es ist ganz schön anstregend Michael zuzusehen, wie er sich abrackert. Und gestern hat das geregnet. Mir macht das ja nichts aus, aber Cheffe war ganz schön stinkig, Ã?Âch glaubem der hat glatt beim Frühstück 2 Tassen Kaffee mehr getrunken. Jetzt freue ich mich schon auf den nächsten Dienstag.
Gestern war ein richtig langweiliger Sonntag. Dagmar und Michael wollten ausschlafen, klar nach der Weihnachtsfeier, nein, sorry Michael, Jahresendfeier. Um 9:30 Uhr kam dann Michael noch verschlafen nach unten, ging ins Bad und da kam auch schon Dagmar und ich bin erst mal raus. Es hatte gestürmt, und da mußte ich doch nach dem Rechten sehen. War aber alles okay, nur die Teiche sahen so schön aus, der Sturm hat das Entenflott an den Rand gedrückt, ich wäre am liebsten mal schnell eine Runde geschwommen. Aber das hätte Ärger gegeben, weil ich danach angeblich immer stinke und dann muß ich geduscht werden.
Aber ich habe mir etwas überlegt, wie ich die beiden ein wenig ärgern kann, wenn sie mich schon die halbe Nacht allein im Haus lassen. Ich habe mir ein Bällchen geholt und damit direkt vor dem Schrank gespielt. Wenn ich sicher war, dass keiner mich beobachtet, habe ich den Ball einfach unter den Schrank gekickt. Dann habe ich mich davor gelegt und getan, als wollte ich ihn unter dem Schrank rausholen.Erst habe ich geknurrt, keine Reaktion vom Rudel, leicht gebellt, immer noch nichts, dann laut gebellt. Michael sieht Dagmar an, naja, er ist morgens besonders faul, Dagmar steht auf, kniet sich hin, steht wieder auf und holt einen Stock. Ich begleite das mit lautem Bellen. Worauf Michael ruft, Dagmar, kannst Du Deinen Hund nicht mal zur Ordnung rufen? Dagmar: Ich dachte immer, Du bist der Hundekenner. Michael: Aber es ist Dein Hund (Quatsch, die beiden gehören mir). Schon kniet Dagmar wieder und fischt mein Bällchen hervor. Kaum sitzt sie, mache ich das Spielchen noch einmal. Diesmal steht der Meister auf, kniet sich, holt den Ball und wirft ihn quer durchs Zimmer. “Das ist ein Spiel für Doofe, lass das jetzt” meint der goße Hundekenner. Aber mich kennt er noch nicht, mich den Winzling. Ich gehe in das andere Zimmer und flutsch ist der Ball wieder unter dem Schrank.
Ich liebe diese Spiele, weil ich immer gewinne. Man soll mich ja auch nicht einfach allein lassen wegen so ner blöden Feier.
P.S. Dagmar hat mir von der Weihnachtsfeier ein schönes Stück Entenbrust mitgebracht. Wär auch sonst sehr enttäuscht gewesen.
Heute abend bin ich allein. Dagmar und Michael sind weg, wo, das habe ich nicht ganz kapiert.
Michael sagt zwar immer, ein Hund kann nicht logisch denken, aber das hier versteht sicher auch kein Mensch, der logisch denken kann. Die Vorgeschichte:
Immer wenn eine Einladung zu einer Weihnachtsfeier per Brief oder Telefon kommt, sagt Michael ganz freundlich, dass er leider an diesem Abend schon einen wichtigen Termin hat. Kaum hat er aufgelegt, sagt er laut: Ich kann diese Weihnachtsgekacke nicht ertragen. Die sollen mir wegbleiben.
Aber was höre ich da vor ein paar Tagen? Da sagt Dagmar, sie hätte keine Lust am Sonnabend mit zur Weihnachtsfeier zu gehen. Da entspann sich folgender Dialog. Michael: Das ist keine Weihnachtsfeier, das ist eine Jahresendfeier. Dagmar: Kann nicht sein, es ist ja kein Silvester und das Jahr ist noch nicht zu Ende. Michael: Und weil noch kein Weihnachten ist, kann es auch keine Weihnachtsfeier sein und außerdem, kannst Du mir ja auch mal einen Gefallen tun.
Was ist denn jetzt heute bloß? Weihnachtsfeier oder Jahresendfeier? Eins weiß ich aber genau, Michael geht dahin, weil er da alle seine Kumpels trifft und im Grunde ist es ihm wohl egal, wie das heisst, das ist ihm wichtig. Um seine Kumpels zu treffen, würde er auch auf eine Weihnachtsfeier gehen. Und wetten, dass er heute seine Schuhe sogar selber putzt? Ich kenne ihn doch. er mit seinen Kumpels.
Aber ich glaube, er hat ein schlechtes Gewissen. Eben zog er seine Jacke an und sagte, dass er mal schnell zum Einkaufen fährt. Dagmar sagte, ich habe gestern schon alles eingekauft. Aber schon war er weg.
Und als er wiederkam, hatte er beim Fleischer für mich ein schönes Stück Rinderherz gekauft.
Dann mach ich eben meine eigene Weihnachtsfeier/Jahresendfeier.
Schön wäre es, würde ich neben Fleischermeister Freese wohnen!
