und das kam so. Dagmar und Michael hatten in Berlin ein Fortbildungsseminar besucht. Beginn Freitag 12:00 Uhr, Ende Sonntag 18:00 Uhr. Je näher der Tag kam, merkte ich, dass Michael keine Lust mehr verspürte, nach Berlin zu fahren. Irgendwie fand er immer mal wieder ein Argument, hier zu bleiben. Aufgepasst dachte ich, der kriegt Freitag früh bestimmt hohes Fieber. Ich sollte die Tage dann bei Rita verbringen. Bei Rita bin ich gerne, davon später einmal.
Aber welch Wunder, Michael wurde nicht krank aber kurz bevor er mich zu Rita fahren wollte, rief Rita an, sie war krank geworden.
Dagmar und Michael also mein Hundekörbchen und Futter eingepackt und mich mitgenommen. Ab in die Hauptstadt.
Das Hotel befand sich mitten in Berlin und dort angekommen, ging Michael mit mir auf Erkundungstour.
Nun bin ich es seit Welpenbeinen gewohnt, mein Bächlein und mein Geschäft nicht auf Strassen oder Pflaster zu machen, sondern im Wald, in der Feldmark oder auf Rasen. Aber das gab es da nicht, jedenfalls nicht in der Nähe des Hotels. Ich habe mich standhaft geweigert, auf den Bürgersteig zu kacken meine Geschäfte zu erledigen. All sein gutes Zureden half nicht. Nein, mit mir nicht, ich will es doch nur schön weich. Michael bekam etwas, was Dagmar Krise nennt, jedenfalls setze er mich ins Auto und fuhr los, eine Wiese finden. Finde mal so schnell eine Wiese! Nix da und er wollte doch pünktlich zum Seminar erscheinen. Also zurück ins Hotel. In der Pause nahm Michael mich an die Leine und ab auf die Strasse. Aber denkste, nicht mit mir. “Ich will Rasen!” - der versteht mich einfach nicht. Wieder durch die Strassen geschlichen, er mir wieder gut zugeredet. Aber nichts war, ohne weichen Untergrund, spielt sich bei mir nichts ab, da konnte er noch so oft sagen, Du darfst auf den Bürgerstieg scheissen machen, ich mach das schon weg. Ich wollte das einfach nicht. Michael hat mal einen Workshop gemachtder hieß so ähnlich: “Sag was Du willst und bekommst es”. Aber da hat er irgendwie nicht richtig aufgepasst, denn bei mir hat er zwar pausenlos gesagt, was er will (dass ich meine Geschäfte erledige), aber er bekam es nicht. - Er sollte den Workshop noch einmal wiederholen. -
Abends dann rein ins Auto und Grünflächen gesucht, wo Hunde “dürfen”. Endlich ein großer Park. Wir beide raus aus dem Auto und uns in die Büsche geschlagen. Aber so einfach wollte ich es ihm ja auch nicht machen. Erst mal schnüffeln, was hier für Kollegen schon waren, das dufte so herrlich, das ging vor. Das andere konnte warten.
Endlich, jetzt war ich an der Reihe und alles klappte vorzüglich. Nur Michael war sauer und wie, denn er hatte in dem Gebüsch genau dahin getreten, wo ein Kollege von mir vorher etwas hinterlassen hat (´sonst sagt er immer, das würde Glück bringen, aber das gilt wohl immer nur für andere).
Am nächsten Morgen stand Michael extra früh auf, um vor dem Frühstück mit mir wieder zu dem Park zu fahren. Aber er ist ja zu blöde! Er hat sich die Strasse nicht gemerkt und so fuhren wir im dichten Berufsverkehr durch Berlin und suchten ein grünes Fleckchen.
So kann man die Hauptstadt auch kennenlernen. Ich fand das ganz prima, aber ich merkte, Cheffe wurde stinkig. Ich merke das immer daran, dass keiner richtig Autofahren kann, nur er. Alle sind blöd, pennen, kriechen, warten bei grüner Ampel auf rot, blinken nicht beim Abbiegen. usw. Nur mein großer Cheffe fährt vorbildlich!
Dann sahen wir eine Strasse mit Bäumen. Angehalten, ran an den Baum und dann habe ich mein Bächlein gemacht. Mehr nicht! Ich wollte es weich! Michael stand kurz vor einem Herzinfarkt. Zurück ins Hotel, keine Zeit mehr in Ruhe zu frühstücken (Höchststrafe für Michael) und ab ins Seminar.
Mittags wiederholte sich das Spiel, abends auch. Dann war Sonntag. Michael, gelernt aus seinem Frühstücksfehler, erst mal frühstücken. Sich ein schönes Fensterplätzchen im Hotel gesucht und ganz in Ruhe gefrühstückt und aus dem Fenster geschaut. Und was sieht er da? Hinter dem Hotel ist eine Rasenfläche, nicht groß aber immerhin RASEN.
Er runter zur Rezeption: “Wie komme ich auf den Rasen hinter dem Hotel?” Die machten vielleicht Augen! Da kommt man garnicht hin, meinte eine Dame, eine andere sagte, da müssen Sie runter in die Tiefgarage, ganz durch die Garage und da sei eine Tür, da steht “Notausgang”, da könne man raus. “Ich könnte sie umarmen” sagte Cheffe und die beiden Damen dachten, hier im Hotel übernachtet ein Irrer, der uns umarmen könnte, weil hinter dem Haus 50 qm Rasen sind.
Egal, wir beide runter und endlich ohne Leine konnte ich mich auf dem Rasen austoben, mein Bächlein und mein Geschäft erledigen und dann ging es wieder hoch. Cheffe beim Vorbeigehen an der Rezeption den beiden Damen zugerufen: “Super, es hat geklappt”, worauf die sich kopfschüttelnd weiter über ihre Arbeit her machten.
Michael zurück in den Frühstücksraum, mich tüchtig gelobt und weil ich so gut war und alles erledigt hatte, holte er ein Stückchen Wurst und so kam auch ich noch zu meinem Leckerchen.
Nee, also nochmal nach Berlin, dazu habe ich keine Lust! Ich brauche meine Wiesen und Koppeln, den Garten und was mir überhaupt nicht gefällt, an der Leine auf fremden Strassen zu laufen.
Fotos:
“Berlin City” Kaismirkarl, Pixelio
“Notausgang” Alexander Hauk, Pixelio
