Ganz genau erinnere ich mich nicht mehr, ich muß so ungefähr ein gutes halbes Jahr alt gewesen sein. Michael sagte da zu Dagmar, das kommt der Kunde (den Namen habe ich vergessen) aus Kassel mit seiner Frau, um Steintrennmaschinen für sein Betonwerk zu kaufen. Nach dem Gespräch müssen wir mit ihm in den Fresstempel gehen, wo es immer 3 Erbsen an 4 Bohnen auf 2 Kartoffeln gibt.
Ich wurde schon ganz unruhig, aber Dagmar sagte, wenn Du dich anständig benimmst, nehmen wir Dich mit. Michael murmelte dann noch sowas, da werd ich ja nie satt, vorher schiebe ich mir besser noch nen Döner rein. Kenne ich nicht, Döner. Früher hat er wenn er unterwegs war, immer mal gesagt, dass er sich einen Döner holt. Jetzt sagt er das nicht mehr, Dagmar meinte nämlich mal, denk an das Gammelfleisch.
Wir also in diesen Fresstempel, wo die Aussicht schon mit 50 % Aufschlag auf die Preise berechnet wird.
Michael sagte zu Dagmar, für den Preis der Suppe machen andere 3 Tage Urlaub. Ich hatte ja nichts von dem Essen, ich konnte nicht mal aus dem Fenster sehen. Michael sagte zu mir: Hundeplatz! Und ich legte mich gemütlich unter den Tisch und schlief. Vorher hat Michael noch seinen Fuß auf die Leine gestellt. Als ich dann wach wurde, war es langweilig unter dem Tisch. Aber ich sah ganz viele Beine, also waren da ja viele Menschen, die ich unbedingt noch kennenlernen mußte.
Da habe ich ganz vorsichtig, damit Michael nichts merkt, angefangen, die Hundeleine durchzubeissen. Herrlich! Das Leder schmeckte so gut, aber ich wollte ja zu den anderen Gästen. Da die mein Rudel mit den Kunden in intensiver Unterhaltung war, habe ich die Gelegenheit ergriffen und bin erst mal weggeflitzt. Da saßen 2 am Tisch. Ich mich davor gesetzt und sie mit meinen Dackelaugen angesehen. Aber die haben nicht reagiert. Also zum nächsten Tisch, die waren ja so nett. Die haben mich gestreichelt und gekrault und ich habe mich gleich auf den Rückengelegt, das war richtig schön. Und so bin ich gemütlich von einem Tisch zum nächsten gegangen. Alle Menschen haben gelacht und sich gefreut und mein Rudel hat nichts gemerkt.
An einem Tisch haben die beiden Gäste mir überhaupt keine Beachtung geschenkt. Da bin ich etwas am Hosenbein der Dame hochgesprungen. Die hat vielleicht geschrien, so hat die sich erschrocken. “Nehmen Sie sofort den Hund da weg” kreischte sie in dem Lokal, die Kellner kamen so schnell angeflitzt, da wäre sogar mein Freund Pepe neidisch geworden. Da merkte auch mein Rudel, was ich angestellt hatte. Michael stand auf, holte mich, tat so, als würde er mit mir schimpfen und flüstere mir ins Ohr: “Haste gut gemacht, Du alte Gewitterzicke”. Dann bin ich aber ohne Leine ganz brav unter dem Tisch geblieben. Schade, wenn Pepe dabei gewesen wäre, wäre es sicher noch viel lustiger geworden.
